GONJASUFI, 24.06.2012, Speakeasy, Stuttgart

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Foto: Özlem Yavuz

Gonjasufi tobt. Er schreit und windet sich, reißt sich die Mütze vom Kopf, lässt die Dreadlocks fliegen, rollt mit den Augen und kämpft mit dem Mikrofon-Ständer. Kollektives Kopfnicken und Arme-Schwenken im Publikum. Ich auf einem Hip-Hop-Konzert?

Ein Fan kniet entrückt vor der Bühne, klemmt seinen kahlen Schädel zwischen die Monitorboxen, wirft sich bäuchlings auf die Bühne. Der Bass dröhnt, die Einrichtung scheppert, Gonjasufi beugt sich über den Reglosen und singt auf ihn herab… Oh mein Gott, wo bin ich hier gelandet?

Da höre ich seit Wochen das aktuelle, angenehm trip-hoppige Gonjasufi-Album „Mu.zz.le“ und freue mich darauf, dank PopNotPop im Speakeasy einen relaxten Wochenausklang mit dem geheimnisvollen Tonfrickler zu verbringen. Und nun dies.

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Foto: Özlem Yavuz

Dabei beginnt der Abend stilistisch erwartungsgemäß mit dem unaufgeregten Luxemburger Soundtüftler Sun Glitters. Loops und Samples, teilweise etwas orientalisch, im Hintergrund grobpixelige Visuals auf der tollen LED-Wand. Fein. Zeit genug, den Bühnenaufbau des Hauptacts zu studieren: zwei Tische voll mit Elektronik, das einzige „analoge“ Instrument ein Technics 1210. Nichts an diesem Arrangement weist darauf hin, was hier eine Stunde später los sein wird…

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Foto: Özlem Yavuz

Drei markante Gestalten machen sich an den Geräten zu schaffen und wenig später betritt Gonjasufi die Bühne. Vom Publikum wird er begeistert empfangen und lässt sich nicht lange bitten. Ein Track nach dem anderen wird rausgejagt, die Bewegungen ekstatisch, die Stimme meist heftig elektronisch verzerrt. Keine Ahnung, welche Titel der Kollege da spielt. Ich muss wohl einfach zugeben, dass ich von seinem Gesamtwerk keine Ahnung habe. Egal, das ist mächtig beeindruckend, psychedelisch, experimentell und heftig. Pure Energie.

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Foto: Özlem Yavuz

Umso ernüchternder, als ich gegen Mitternacht auf die regnerisch-trostlose Wilhelmstraße heraustrete und feststellen muss, dass der spannendste Teil der Woche gerade zu Ende gegangen ist. Nicht nur das, auch mein EM-Wunschhalbfinale gegen England wird nicht stattfinden.

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Foto: Özlem Yavuz

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