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THOSE DARLINS, THE KABEEDIES, 17.04.2012, Zwölfzehn, Stuttgart

von Holger · 19. April 2012

20120418 dsc06949 those darlins THOSE DARLINS, THE KABEEDIES, 17.04.2012, Zwölfzehn, Stuttgart

Foto: Steffen Schmid

Tolle Sache, so ein Doppelkonzert. Zwei hoffnungsvolle junge Bands, beide – sozusagen jeweils als Headliner – auf Clubtour, treffen für einen Abend zusammen. In diesem Fall sind es die US-Indierocker Those Darlins auf dem Weg von Köln nach La-Chaux-de-Fonds und die Brit-Popper The Kabeedies auf der Durchreise von Köln nach München. Wer auch immer die Idee hatte, diese beiden Bands bei ihrem Stopp in Stuttgart zu ihrem einzigen gemeinsamen Konzert zusammenzuführen – danke dafür!

20120418 dsc06647 the kabeedies THOSE DARLINS, THE KABEEDIES, 17.04.2012, Zwölfzehn, Stuttgart

Foto: Steffen Schmid

Aus diesem glücklichen Zusammentreffen hat sich nämlich ein absolut erfreulicher Konzertabend ergeben. Geradezu systematisch werden Gegensätze präsentiert: hier Rock aus den USA, dort Pop aus England. Hier die coole Rock-Pose, dort die poppige Lebensfreude. Aber auch Gemeinsamkeiten gibt es in Fülle: beide Bands sind jung und hungrig, kommen aus der Provinz (Murfreesboro bei Nashville und Norwich in Ostengland), haben ein aktuelles Album am Start und sind bekannt für ihre intensiven Live-Auftritte. Ideale Voraussetzungen für viel Musikvergnügen. Schade, dass sich trotz eines sehr moderaten Eintrittspreises nur ein recht überschaubares Publikum im Zwölfzehn eingefunden hat. Nun gut, es ist Dienstagabend.

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Foto: Steffen Schmid

Keine Ahnung, wie in so einem Fall das Line-Up ausgewürfelt wird. Höhe der Gage? Anzahl der Facebook-Likes (14.948 zu 4.868 für Those Darlins) oder Last.fm-Hörer (31.721 zu 22.005 für Those Darlins)? Egal. Die Kabeedies nehmen die Herausforderung an und eröffnen den Abend. Und zwar fulminant. Mit “Drowning Doll” von ihrem aktuellen, hochgelobten Album “Soap” hauen Sie gleich einen Uptempo-Titel raus, der von Gitarrist Evan Jones mit einem skurrilen Zappeltanz interpretiert wird. Nicht nur die eckigen Bewegungen, auch seine Statur und das Gitarrenspiel drängen den Vergleich mit dem jungen David Byrne auf. Einen Unterschied gibt es allerdings: im Gegensatz zum Altmeister kann Evan tatsächlich singen. Überhaupt: welch ein Luxus, eine Band mit drei veritablen Gesangsstimmen bestücken zu können. Natürlich bestimmt Katie Allards Stimme den Sound der Kabeedies, aber auch Evan Jones und Rory Hill am Bass übernehmen viele Vokalparts.

Und der Sound? Das ist Pop vom Feinsten, eingängige Hooklines, flotte Bassläufe, treibender Rhythmus und – hier drängt sich der Vergleich mit Bands wie Retro Stefson oder Vampire Weekend auf – eine federleichte Afro-Pop-Gitarre.

Und so hüpft, tanzt und zappelt sich die Band durch Ihr Repertoire, das vorwiegend vom aktuellen Album stammt und eine gewaltige Portion guter Laune verströmt. Allein für diesen Auftritt hat sich der Abend bereits gelohnt. Kein leichtes Spiel für Those Darlins, nach dieser massiven Charme-Attacke auf die Bühne zu kommen.

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Foto: Steffen Schmid

Und so geben sich Nikki und Jessie Darlin auch erstmal betont spröde, als sie mit dem Titelsong ihres aktuellen Albums “Screws Get Loose” ihr Set eröffnen. Das ist schon wesentlich rotziger als der zuckersüße Kabeedies-Sound, und es wird auch ein paar Titel dauern, um seinen Reiz zu entfalten.

Irgendwo zwischen Indie-Rock, Garage Punk, Surf Sound und – ich hoffe, sie verzeihen mir den Vergleich – den Bangles bewegen sie sich soundmäßig. Die Country-Elemente ihres ersten Albums haben sie weitgehend abgelegt – kein Verlust. Diese Mädels haben auch wirklich alle Rockposen drauf: die netzbestrumpften Beine lässig auf den Monitorboxen postiert, coole Gitarrenduelle und der Marsch ins Publikum gehören ebenso dazu wie der permanent arrogante Schmollmund, dem partout kein Lächeln abzuringen ist.

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Foto: Steffen Schmid

Keine Frage: das rockt! Stellenweise fühle ich mich sogar an den lasziven Retro-Sound von Link Protrudi & the Jaymen erinnert und so passt es dann auch wunderbar, dass der Abend mit einem feinen Sixties-Cover endet: “Shakin All Over” von Johnny Kidd & the Pirates.

So trennen sich die Wege dieser beiden Bands wieder und ich freue mich, dass – dank eines glücklichen Bookings – an diesem drögen Dienstag-Abend ein ganz feiner Gig stattgefunden hat, der für das ein oder andere mediokre Konzert der letzten Zeit mehr als entschädigt.

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Foto: Steffen Schmid

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Tags: Independent · Pop · Rock

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