ALFONS, 22.03.2012, Theaterhaus, Stuttgart

Foto: Promo

Dies ist die Geschichte dreier Freunde namens Jean-Francois, Jerome und Alfons alias Emmanuel Peterfalvi. Sie beginnt in den frühen Siebzigern in Paris, genauer, in einem Klassenzimmer, wo drei Jungs wegen dreier verschiedener Delikte nachsitzen müssen.

Der junge Alfons war bei rot über die Straße gegangen und dabei von ‚Madame Hitler‘, der Verkehrspolizistin, erwischt worden. Und das, obwohl rote Ampeln in Frankreich allenfalls ein Vorschlag, Verkehrsschilder mehr Dekoration sind – glaubt man dem Erzähler.

Jean-Francois‘ steter Begleiter, die Vergesslichkeit, bringt ihm jene Strafe ein, immerhin hatte er seine Hausarbeit in der Metro liegen lassen. So schwer wiegt dieses sein Laster, dass das Fundbüro ein ganzes Regal für ihn eingerichtet hat. Jerome hingegen sitzt deshalb nach, weil er einen falschen Kuss zur falschen Zeit auf eine falsche Wange platziert hatte, etwas, das er gerne und vielfach tut. Für einen noch so beiläufigen Kuss seines Schwarms war er im Ballettunterricht gewesen und hatte es gar in die Schulaufführung geschafft, doch trotz aller Mühen war ihm dieser wichtige Schmatzer verwehrt geblieben.

Dort im Klassenzimmer, gemeinsam büßend, finden sich die Freunde und sind von da an unzertrennlich, gehen durch dick und dünn, teilen Spiel um Spiel, Abenteuer um Abenteuer, teilen ihre Freude, ihre Ideen, ihre Neugier. Bis, ja, bis die zarten, verspielten, ungezwungenen, manchmal idyllischen und doch zuweilen tragischen Knabenjahre vorüber sind und jeder seines Weges geht.

‚Wiedersehen macht Freunde‘ heißt Alfons‘ neues Programm, welches im Wesentlichen aus jener liebenswürdigen, lebhaft wie charmant erzählten Geschichte besteht. Ganz ohne die übliche Jagd nach griffigen Pointen kommt der gut gelaunte, heitere, freundliche Alfons dabei aus, mit seinem Kurzfilm plus Musette-Walzer hat er das Publikum des T2 gleich zu Anfang auf seine persönliche Art für sich eingenommen.

Dies ist auch die Geschichte des jungen Alfons. Zusammen mit seinen Freunden erlebt er viel, kickt auf einem Pariser Acker, trifft dort den Obdachlosen Archimedes und lauscht dessen Weisheiten. Zusammen mit seinem Vater geht er ins Stadion, um den Ball seines stets tänzelnden Idols Dominique Rocheteau mitten auf die Zwölf und im blutigen Halbschlaf ein Autogramm von ihm zu bekommen. Zusammen mit seinem Vater erlebt er den Jahrmarkt, und gönnt sich, nachdem er am Ausgang einen 200-Franc-Schein gefunden hat, die sonst unerschwingliche große Portion Pommes plus mehrere Runden Riesenrad. Doch zusammen mit den Eltern erlebt er auch eine schwere Krise, welche die Trennung von seinem Vater bedeutet, der verschwindet und lange Zeit nicht mehr wiederkehrt.

Zuletzt ist dies die Geschichte des Puschelmikros, welches Alfons neben seiner orangenen Jacke auszeichnet. Er bekommt es zu seinem sechsten Geburtstag, fortan sind auch sie unzertrennlich. Kurzweilige Einspieler für Zwischendurch, in welchen Alfons den unbeholfenen, aus der ARD bekannten, gespielt naiven Franzosen mit feuchten Haaren gibt und Passanten befragt, zeigen diese innige Beziehung.

Sei es ein Viehmarkt, die Preisverleihung eines Hundevereins, eine Automesse oder eine Gruppe Nacktwanderer, Alfons und Puschel sind mit zum Teil spitzzüngigen Fragen dabei. Man kennt die Umfragen, und sie wirken für sich genommen oft leider etwas billig auf Verarsche ausgelegt. Eingebettet in den heiteren, entspannten Abend mit Alfons hingegen nimmt man sie leicht, lacht und schämt sich nur ein bisschen.

Drei Geschichten in einer, zu Teilen fiktiv, zu Teilen biografisch eingefärbt. Viele kleine Verrücktheiten, viele zurückhaltende, sanfte, herzliche Pointen. Was darin ist Wahrheit, was Erfindungsgeist? Alfons überlässt es dem Publikum zu entscheiden und erzählt von der Leber weg, gestenreich, leichtfüßig, heiter, bisweilen rührend.

Am Ende, als Zugabe, zeigt er einen letzten Kurzfilm. Als Beweis, dass es zumindest Jean-Francois, Jerome und Alfons alias Emmanuel Peterfalvi, also ihre Freundschaft, tatsächlich gibt.

Ein rührendes Finale.

Und ein schöner Abend.

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