VINCENT KLINK & PATRICK BEBELAAR, 19.03.2012, Wagenhallen, Stuttgart

Vincent Klink und Patrick Bebelaar im Marz 2012 in den Wagenhallen in Stuttgart

Foto: Steffen Schmid

Die schlechte Nachricht gleich vorweg: Wiglaf Droste war krank. Und konnte also leider doch nicht der Einladung des Merlins folgen, das bei so großen Namen gerne in die Wagenhallen ausweicht. Also mussten Vincent Klink, der musizierende und schreibende Koch, und Patrick Bebelaar, der kochende Pianist, allein ran. Vincent Klink entschuldigt seinen Kumpel Droste: „Wissen Sie, der hat‘s ja auch nicht leicht. In Ostwestfalen geboren, in Berlin lebend.“

Den Gästen scheint das Fehlen nicht allzu viel auszumachen. Die Reihen sind gut besetzt mit Gutbetuchten. Ach, wenn man schon mal den Weg hier her geschafft hat. Man sitzt ja. Wie es sich gehört im fortgeschrittenen Alter. Und die Veranstaltung fängt pünktlich an – wenn die schlechten Kochsendungen schon Feierabend haben – zur Spielfilmzeit, bei der man eigentlich auf dem Sofa einschläft.

Vincent Klink und Patrick Bebelaar im Marz 2012 in den Wagenhallen in Stuttgart

Foto: Steffen Schmid

Das Duo hat es aber in sich. Bei diesen beiden Multifunktionsmännern verhält es sich anders als bei den schauspielernden Sängern und singenden Schauspielern, die dann mindestens eines von beidem nicht wirklich gut beherrschen.

Nicht so beim Klinks Vincent, der einer der wenigen ist, die den Titel Tausendsassa zurecht tragen dürfen. Er spielt seine Basstrompete, liest Texte fein, weil er Dialekte und Stimmen imitieren kann und hat diese Geschichten zuvor auch noch aufgeschrieben. Dass er ein guter Koch dort droben in der Wielandshöhe ist, ist bekannt. Angeblich kocht er auch noch ein Mal die Woche im Fernsehen, zu einer Zeit, wenn die meisten Menschen noch arbeiten.

Vincent Klink und Patrick Bebelaar im Marz 2012 in den Wagenhallen in Stuttgart

Foto: Steffen Schmid

„Für einen Koch spielt er verdammt gut Klavier“, sagt Vincent über Patrick Bebelaar, seinen Kompagnon seit vielen Jahren. Etwas ähnliches könnte man über Klink und sein Können an der Basstrompete sagen. Und auch über seine Schreibe. Er liest Geschichten aus der 50. Ausgabe seiner Zeitschrift „Häuptling eigener Herd“ vor. Das Titelthema ist Jazz, Vincent berichtet aus seinen Lehrjahren im Schwarzwald. Und er stellt klar: „Der Häuptling ist die einzige Zeitung in Deutschland, die sich mit Essen beschäftigt und nicht korrupt ist.“

Vincent Klink und Patrick Bebelaar im Marz 2012 in den Wagenhallen in Stuttgart

Foto: Steffen Schmid

Die Geschichten sagen nicht nur viel über Kulinarik und schwäbische Eigenarten aus, sondern auch über Haltung. Vincent Klink erzählt toll. Deshalb hat er auch schon zwei Bücher geschrieben: „Immer dem Bauch nach“, in dem er kulinarische Reisen gesammelt hat und „Sitting Küchenbull“, die Erinnerungen eines Kochs. Wir erfahren, dass er im Jemen die beste geschnetzelte Leber seines Lebens zum Frühstück serviert bekommen hat und dass sein Vater durch und durch schwäbisch mit derbem Humor und ein Gourmet war. „Nasi Goreng“ nannte er „Nazi Göring“, er war bei Paul Bocuse essen, hat die Frau aber nicht mitgenommen – „das wäre zu teuer geworden“. Herrlich sind sie die Geschichten von den Tiefkühltruhen und Vaters Resteverwertung. Getreu dem Motto: „Abfall ist die Mutter aller neuen Gerichte“. Ach, wenn der so gut kocht, wie er schreibt.

Vincent Klink und Patrick Bebelaar im Marz 2012 in den Wagenhallen in Stuttgart

Foto: Steffen Schmid

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