I HEART SHARKS, 06.03.2012, Schocken, Stuttgart

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Foto: Michael Weiß

Frei nach der I Heart Sharks Textzeile „Let’s just pretend it’s summer“ spielt sich vor dem Konzert das Meiste draußen ab. Wie im Hochsommer gibt’s das erste Bier des Abends rund um den Brunnen vor dem Schocken. Nach dem ersten Gang durchs Publikum wird klar, dass das Schocken voll wird. Nicht ausverkauft, aber voll. Auch die ersten drei Konzerte der Band aus Berlin in Stuttgart waren gut besucht, allerdings waren diese auch immer im Rahmen von Konzertreihen mit viel Stammpublikum: Popfreaks im Merlin; Silent Friday und Popnotpop-Festival. Aber so wie es aussieht scheint sich die Band in Stuttgart mittlerweile, auch dank viel Aufmerksamkeit bei FluxFM, eine recht große Hörerschaft erspielt zu haben.

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Foto: Michael Weiß

Das vermeintlich erste Sommerbier ist gerade halbleer und auf einmal geht es schnell. Der Support Krahnstøver betritt die Bühne. Zu schnell, denn die Tontechnik hat nicht mal Zeit die Hintergrundmusik auszuschalten. Dafür gibt es nach dem ersten Lied auch gleich eine Rüge von Sängerin Stefanie, leider ein wenig zu patzig.
Sonst zeigt das erste Lied gleich, wohin der Abend gehen soll und wird: Indietronic. Krahnstøver spielt viele Lieder von ihrer aktuellen EP „Silvia“. Sie haben sich viel bei den großen ihres Genres abgeschaut, aber leider dabei nicht so gut aufgepasst. Die Standtom die August, Sänger und Mann an den Synthesizern, während des ersten Lieds spielt, ist nicht mikrofoniert und auch als er auf den Becken von Schlagzeuger Thorsten rumspielt, wirkt das eher ein bisschen verloren. Sängerin Stefanie wirkt ein wenig aufgesetzt bei den Tanzeinlagen zwischen ihren Gesangparts.
Durch sehr viel Hall versteht man den hauptsächlich englischen Gesang kaum. Absicht? Vielleicht. Vor allem bei dem einzigen deutschen Lied im Set bemerkt man, dass die Texte großteils wahllos aneinander gereihte Halbsätze sind.

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Foto: Michael Weiß

Trotzdem beweisen die drei, dass sie ihre Instrumente beherrschen. Egal ob Vocoder, Gitarre, Schlagzeug, Bass oder die Samples, die vom Macbook. Und was dabei rauskommt, ist durchaus tanzbar. Außerdem sind sie noch recht jung. Somit haben sie noch viel Zeit sich einiges abzuschauen, auszuprobieren und irgendwann zu ihrem eigenen Stil zu finden. Bleibt noch die Frage nach dem dänisch/norwegischen ø im Bandnamen. Alle Bandmitglieder sind in der Umgebung von Leipzig aufgewachsen und auch sonst gibt es keine konkrete Verbindung zum Norden. Wahrscheinlich haben die drei sich auch hier ein bisschen zu viel von den Genregrößen und dem aktuellen Skandinavien-Hype leiten lassen.

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Foto: Michael Weiß

Eine der größten, wenn nicht sogar die größte deutsche Band des Genres sollte ja heute Abend auch noch zum Zug kommen. Mit einem ziemlich sphärischen Intro eröffnet I Heart Sharks den Hauptteil des Abends. Was sofort auffällt, ist natürlich der neue Drummer (darüber später mehr) und die Bühnenoutfits (blaues Hemd, schwarze Hose und weiße Schuhe) die es bis zur „Summer Nights Tour“ zumindest bei I Heart Sharks nicht zu sehen gab. Die Bühne bleibt mit einem Haimaul als Backdrop, viel Nebel, weißen Neonröhren und auch sonst nur ein paar weiteren weißen Scheinwerfern die ganze Zeit über recht schlicht aber dabei sehr stilvoll und rückt die Musik in den Vordergrund. Zu hören gibt es fast ausschließlich die Songs des aktuellen Albums „Summer“.

I Heart Sharks war Anfang 2011 die erste deutsche Band, die auf PledgeMusic ihr Album von Fans vorfinanzieren ließ. Als Anreiz gab es spezielle und zum Teil sehr persönliche Gegenstände der Band, darunter das für die Albumaufnahmen von Sänger Pierre verwendete Mikrofon, gespielte Drumsticks und ein Wohnzimmerkonzert. Dies gab I Heart Sharks die Möglichkeit selbst über ihre musikalische Ausrichtung zu entscheiden und sich nicht in die Hände eines Labels begeben zu müssen. Das Projekt hat funktioniert. Das Album bedeutete für die Band den Durchbruch. Und mittlerweile folgen auch viele deutsche Bands dem Vorbild und lassen sich das Album vorfinanzieren, um so ihre künstlerische Freiheit zu bewahren.

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Foto: Michael Weiß

Aber zurück zum aktuellen Geschehen. Man merkt, dass I Heart Sharks mittlerweile einige Konzerte auf dem Buckel haben. Es passt einfach alles und hier funktionieren sogar die großen Gesten; Egal ob Gitarrist Simon die Boxen erklimmt oder Sänger Pierre sich unters Publikum mischt. Und das wichtigste: Man nimmt es ihnen ab. Zwischendurch bleibt sogar ein wenig Zeit und Konzentration für Blödsinn. Der neue Mann am Schlagzeug fügt sich auch gut in die Band ein und kommuniziert sogar mit seinen Bandkollegen während des Konzerts. Da war sein Vorgänger anders. Allerdings beherrschte dieser vor allem sein Percussion Pad eindeutig besser. Dennoch bleibt eines erhalten, alle Samples sind kurz und kommen statt aus dem Macbook aus dem Percussion Pad. Somit behält die Musik ihre Dynamik und Authentizität.

Zu den Höhepunkten des Abends gehören „Wolves“, „Suburbia“ und natürlich „Summer“. Auch einen neuen Song gibt es zu hören. Der klingt zumindest vom Gesang her ein bisschen wie Depeche Mode und hat noch keinen Namen. Zumindest wird er uns nicht verraten. Der neue Song ist auf jeden Fall ein wenig glatter. Ein bisschen massentauglicher.

Als Sänger Pierre mitten im Publikum dann noch eine Konfettikanone zündet und kurz danach zum kollektiven Kniefall à la Beatsteaks usw. aufruft kriegt man dann auch noch einen Vorgeschmack was einem in Zukunft auf einem I Heart Sharks Konzert blühen könnte, wenn der Zulauf der drei Wahlberliner weiter wächst. Dabei muss I Heart Sharks aufpassen dass sie nicht größer werden als ihre Musik es zulässt. Was die Folge sein könnte, hat man zuletzt bei Muff Potter gesehen, die aufgehört haben, weil ihnen selbst die Band zu groß wurde. Das Konzert zeigt auf jeden Fall eindrucksvoll, dass für I Heart Sharks noch ganz viel Spielraum nach oben ist. Somit kann man sich auf jeden Fall sicher sein, dass man von dem Indierock-Trio auch in Zukunft noch viel hören wird.

Für alle die das Konzert verpasst haben oder noch nicht genug haben, hier noch zwei Tipps:
In der Zeit vom 5.-7. Juli sind I Heart Sharks wieder in der Nähe, und zwar beim Kurt-Festival in Reutlingen. Und bei YouTube kann man sich das komplette Konzert vom Urbanpiratenfestival 2010 der Band anschauen.

Krahnstøver:

I Heart Sharks:

2 Gedanken zu „I HEART SHARKS, 06.03.2012, Schocken, Stuttgart

  • 8. März 2012 um 23:30
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    Schöne Bilder. Haben die im Schocken diesmal sogar Licht für die Fotografen angemacht? ;)

  • 12. März 2012 um 09:54
    Permalink

    Das Licht war wirklich ganz gut. Es war glaube ich jemand fürs Licht da.

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