BRENZ BAND, im Oktober 2011, Volksrepublik China

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Foto: Reiner Pfisterer

Zu sagen die Brenz Band sei unkonventionell, trifft das Ganze nur unzulänglich. Denn seit über 34 Jahren stehen die Grenzgänger für gelebte Integration, für gute Laune, musikalische Anarchie und für den Aufbruch zu neuen Ufern. Behinderte musizieren mit vermeintlich Nichtbehinderten, Alte mit Jungen, Musikanten mit Ausbildung harmonieren mit Autodidakten. Entstanden als Schulprojekt in der damaligen Schule für Behinderte in der Brenzstraße in Ludwigsburg ist die Kombo mit der besonderen Note längst zu einem Aushängeschild der ganzen Region geworden, und das mit einem großen Sendebewusstsein.

Schon im Jahre 2001 reisten die 16 Musiker auf Konzertreise in den Libanon, im Jahre 2005 wurden sie in Paris zu UNESCO-Botschaftern für den Frieden ernannt, und mittlerweile unzählige Tourneen führten sie in Länder wie Polen, die Ukraine und die Schweiz, um nur einige zu nennen. Das ist die Vorgeschichte zu einem 9-tägigen musikalischen Siegeszug durch Chinas Metropolen. Bandgründer und ehemaliger Schuldirektor Horst Tögel war schon als Kind von den Erzählungen in seinen Abenteuerbüchern über die Dschunken und Opiumhöhlen Shanghais begeistert und träumte seit Jahren davon als Missionar des gelebten Miteinanders aller Menschen auch im Land der aufgehenden Sonne den traditionellen „Zillertaler“, oder das italienische Volkslied „Marina“ mit der Brenz Band zum Besten zu geben. Finanziell unterstützt von verschiedenen Stiftungen machten sich 16 Musiker, ein kleines Filmteam, ein Reiseleiter und ich als Fotograf auf den Weg nach Peking, der ersten Station der Reise.

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Foto: Reiner Pfisterer

Bereits vier Stunden nach Ankunft stand das erst Konzert auf dem Programm. Ich war sehr skeptisch, wie die Resonanz sein würde. Interessiert das hier überhaupt jemanden? Das fragte ich mich im Vorfeld der Reise immer wieder. Alle Bedenken waren gleich am ersten Abend hinfällig. Mehrere hundert, meist junge Besucher, feierten mit der Band ein großes Fest. Fast alle Konzerte der Reise fanden auf Vermittlung einer norddeutschen Stiftung in Universitäten statt und die Offenheit und die Neugierde auf die deutschen Gäste war immens. Nach dem Konzert mussten unzählige Hände geschüttelt werden, viele Autogrammwünsche erfüllt und unzählige Erinnerungsfotos gemacht werden.

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Foto: Reiner Pfisterer

Gleich am zweiten Tag fuhren wir früh morgens von Peking Richtung Norden zur Großen Mauer. Aber nicht nur um den obligatorischen Touristenbesuch abzustatten, sondern natürlich gab die Brenz Band dort auch ein Spontankonzert und die erst verblüfften Anwesenden mischten sich sofort unter die Band, um Teil der Geschichte zu sein und sich gemeinsam fotografieren lassen. Es war als wären wir von einem anderen Stern und jeder wollte eine Erinnerung an die Außerirdischen.

Die „incredible strange musicians“, wie sie schon vor Jahren liebevoll vom Magazin Rolling Stone, anlässlich der Buchveröffentlichung „Makel los- Die unglaubliche Geschichte der Brenz Band“ genannt wurden, setzten mal wieder eine Duftmarke. Auf dem Heiligtum der Chinesen, der Großen Mauer, spielen zu dürfen, bedarf es unglaublich guter Kontakte. Die Brenz Band hat sie.

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Foto: Reiner Pfisterer

Nach zwei weiteren Tagen in Peking und Konzerten in einer weiteren Elite-Hochschule und der deutschen Botschaft, bei dem auch chinesische Künstlergruppen mit behinderten Mitgliedern auftraten, fuhren wir mit dem Zug zur nächsten Station Qingdao. Während Stuttgart noch unversöhnlich über das Bahnfahren der Zukunft streitet, gibt es der chinesischen Hauptstadt schon längst „Peking 21“ Ein Bahnhof, der aussieht wie ein Flughafen und anlässlich der Olympischen Spiele 2008 gebaut wurde, wartet mit seinen unterirdischen Superschnellzügen auf Reisende aus aller Welt.

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Foto: Reiner Pfisterer

Wir fuhren nach Qingdao, einer Stadt mit 6 Mio. Einwohnern, direkt am Chinesischen Meer gelegen, die in Deutschland weit gehend unbekannt ist. Hier blieben wir aber nur für ein Konzert und schon am Folgetag ging es mit dem Flugzeug weiter nach Shanghai. Und ganz ehrlich: Da wollte ich schon lange hin!!!! Es wurde schon dunkel als wir in die Stadt fuhren, und beim Blick aus dem Busfenster wurden alle immer stiller. Straßenschluchten, Wolkenkratzer, riesige leuchtende Webetafeln auf Hochhäusern. Shanghai erfüllt alle Klischees einer pulsierenden Weltstadt. Da wir aber nicht auf Erholungsreise waren, wartete gleich am Abend schon die nächste Hochschule und das nächste Konzert.Und wieder standen an der Halle schon viele hundert Menschen. Wie ein Lauffeuer verbreitete sich, dass da eine ganz besondere Musikkapelle aus dem fernen Deutschland einen Campus nach dem anderen in Grund und Boden spiele.

Konzerte der Brenz Band sind schwer nur mit Worten zu beschrieben, denn das Berührende liegt eindeutig im Charme, mit dem die Musiker zu Werke gehen. Deshalb versuche ich jetzt auch nicht, was mir eh nicht gelingt, sondern verweise auf brenzband.de, da stehen die nächsten Konzerttermine.

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Foto: Reiner Pfisterer

Nach drei weiteren Tagen in Shanghai, die neben den letzten Konzerten auch noch Zeit ließen sich die Stadt anzuschauen, flogen wir wieder nach Hause. Um viele Begegnungen reicher, und schon stellt sich die Frage, wohin wohl die nächste Reise geht. Grenzen gibt es für diese Band keine.

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Foto: Reiner Pfisterer

7 Gedanken zu „BRENZ BAND, im Oktober 2011, Volksrepublik China

  • 22. November 2011 um 11:38
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    Tolle Geschichte, tolle Fotos, tolle Reise!

    — der andere Gig-Blog-Pfisterer

  • 22. November 2011 um 14:32
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    Beeindruckende Fotos einer interessanten Reise! Gibts da dann auch eine filmische Dokumentation?

  • 22. November 2011 um 18:54
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    Von der Brenz Band habe ich schon viel gehört. Nur zum Anschauen hat es noch nicht gereicht — obwohl ich schon häufiger gehört habe, dass sie sehr sehenswert sei.

    Hm, und wenn ich es mir recht überlege: Auch der andere Pfisterer hatte schon berichtet, dass China-Turneen echt beeindruckend sind.

    Danke für diesen interessanten wie gut geschriebenen Artikel!

  • 22. November 2011 um 22:00
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    Ja Niko, es wird auch einen Film geben. Aber ich denke das dauert erst mal noch eine Weile.

  • 23. November 2011 um 20:20
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    Hallo Reiner,ich freue mich schon darauf.
    Grüssle Nico

  • 24. November 2011 um 09:51
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    Nächstes Konzert der Brenzband (mit Dale Wilde):06.Dezember 2011 Einlass:19:30 Uhr Beginn:20:00 Uhr. Friedenskirche Ludwigsburg Stuttgarter Strasse

  • 4. Juli 2012 um 18:54
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    Lieber Reiner ich habe mich so sehr gefreut diese wunderschöne Bilder anzuschauen. Ich hatte bisher keine Fotos gesehen. Das sind die Ersten. Sie sind wirklich super schön geworden. Ich habe die Bilder richtig genossen– da ich ausversehen während unsere Reise 130 Bilder von meine Kamera gelöscht hatte :( Vielen herzlichen Dank für Deine interessanten Bericht und die schöne gemeinsame Erinerrungen zum anschauen. VG : D ale

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