FITNESS FOREVER, 20.07.2011, Schocken, Stuttgart

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Foto: Andreas Meinhardt

Italien – Sehnsuchtsziel Numero Uno schwermütiger mitteleuropäischer Bildungsbürgerinnen. Ein großes Glück, dass es als musikalischen Stimmungsaufheller Fitness Forever gibt, das bezaubernde Pop-Quartett aus Neapel (live verstärkt von drei Gastmusikern). Und ein Segen, dass die Gruppe um Songschreiber und Produzent Carlos Valderrama sich diesen Sommer auch zwei deutsche Städte auf den Tourplan geschrieben hat. So kommt Stuttgart an einem verregneten Juli-Tag in den Genuss eines Popkonzerts, nach dem sich Menschen glücklich in den Armen liegen, begeisterte Neu-Fans mit großformatigen Schallplatten unterm Arm selig lächelnd nach Hause marschieren und selbst hartgesottene Italo-Pop-Skeptiker sich hoch euphorisiert überlegen, schnellstmöglich einen Italienisch-Kursus zu belegen.

Fitness Forever sind beim spanischen Label Elefant Records unter Vertrag, einem Garant für exzellente Popmusik mit ordentlich sechziger Jahre Einschlag. Schade nur, dass das Label mit dem für geschmackssicheren Indiepop durchaus empfänglichen spanischsprachigen Markt mehr oder weniger ausgelastet ist und Elefant-Veröffentlichung hierzulande häufig nur als Import erhältlich sind. In Zeiten von Euro und Internet allerdings kein unüberwindbar großes Problem mehr, darum haben Label und Künstler auch in Deutschland eine kleine aber feine Fan-Gemeinde, schön.

Eventuell diesem Umstand geschuldet – und sicher auch dank der sehr netten lokalen Presse-Unterstützung im Vorfeld – ist das Schocken sehr ordentlich gefüllt. Stuttgart’s very own Monsieur Mo Rio eröffnen den Abend mit einem Set detailverliebter Pop-Miniaturen. Dafür gibt’s viel Applaus, toll gemacht, gerne mehr davon.

Und dann ist es Zeit für Fitness Forever, deren Show mit dem traumhaft schönen „Probabilmente“ vom aktuellen Album „Personal Train“ beginnt. Atemberaubender Blickfang sind die Frontfrauen Nicoletta und Paster, denen Kapitänsmütze und erdbeerrote Strumpfhosen fantastisch stehen – und die großartig singen und performen (Multitalent Paster zeichnete außerdem das aktuelle Plakatmotiv).  Auch die Boys sehen in blau-weiß geringelten Shirts nach Sommerferien in Technicolor aus und spielen mit einer Leidenschaft und technischen Versiertheit, wie man sie selten bei einem Indiepop-Konzert erlebt.

Unglaublich, welche Pop-Perlen Carlos Valderrama scheinbar mühelos aus dem Ärmel schüttelt, Hit reiht sich an Hit. Und auch die beiden neuen Stücke fügen sich nahtlos ein in ein Set, das funkelt und vibriert und den wagemutigen Vergleich mit vergötterten Songschreiber-Ikonen wie Burt Bacharach, Brian Wilson und Ennio Morricone definitiv nicht scheuen muss. Typisch übrigens für Valderrama, dass er sich scherzhaft – wenn überhaupt – am allermeisten in den Fußstapfen von Julio Iglesias sieht.

Großartig zu sehen, wie sich das Stuttgarter Publikum von Anfang an mitreißen lässt von der unwiderstehlichen positiven Energie, die von diesen sieben Musikern ausgeht. Besonders die aktuelle Single „Palma de Mallorca“ funktioniert live extrem gut, ebenso eines der neuen Stücke mit gigantisch hohem Mitsingfaktor, das sich inhaltlich um einen süßen kleinen Hund dreht.

Neben beinahe sämtlichen eigenen Stücken wird als einzige Coverversion ein Stück von Fitness-Forever-Freund und Label-Kollege Giorgio Tuma gespielt, „Gorni Koala“, das passe gut zur Band weil es „very Fitness“ sei. Und sollte womöglich auch ein kleiner Hinweis an Resteuropa sein, dass Italien kulturell nicht komplett am Boden liegt.

Das neue Fitness-Forever-Album „Cosmos“ soll im Frühjahr 2012 erscheinen, die neuen Stücke versprechen schon mal großartiges. Und nach Stuttgart würde die Band auch gerne wieder kommen. Wir sind dabei. Aber sowas von.

6 Gedanken zu „FITNESS FOREVER, 20.07.2011, Schocken, Stuttgart

  • 22. Juli 2011 um 11:30
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    Schade, dass ich nicht dabei sein konnte. Das hört sich ja extrem gut an.

  • 22. Juli 2011 um 12:54
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    Die Bilder sind dermaßen toll, wow.

  • 25. Juli 2011 um 10:24
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    und der Andreas war noch so nett, unsere Freunde Paster & Carlos bei ihrem Auftritt im „Freies Radio“ Stuttgart zu filmen:

  • 8. August 2011 um 16:42
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    Man darf auch keinesfalls vergessen zu betonen, dass Carlos Valderrrama ungefähr der coolste Name der Welt ist, da er neben dem Sänger von FF auch zu der bis heute unerreicht besten Frise im Weltfußball gehört.

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