THE BURNING HELL, 08.06.2011, Nachbar, Stuttgart

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Foto: Patrick Grossien

Manchmal laufen die Dinge einfach genau so, wie sie laufen müssen. Seit ein paar Wochen habe ich einen neuen Lieblingssong im Radiosender meines Vertrauens. Als der Moderator endlich mal verriet, dass es sich dabei um „My Name is Mathias“ der kanadischen Band The Burning Hell handelt, war das natürlich schnell in die Suchmaschine eingetippt. Dort stand zu lesen, dass die Herrschaften schon zwei Wochen später im Hallschlag spielen. Wo die Nachbar genau liegt, wusste das Netz auch noch, jetzt waren nur noch die Tage zu zählen.

Dass die Gruppe gerade mitten in einer Rieseneuropatour steckt (61 Auftritte in 63 Tagen oder so ähnlich, auf jeden Fall gestern Tübingen und morgen Crailsheim), merkt man den Sechs auf der Bühne nicht im mindesten an. Gut, das kanadische Kollektiv besteht zum Teil aus bis zu 14 Musikern, vielleicht sind einige ja schon auf der Strecke geblieben, haben sich in Österreich verliebt oder in Polen Haus und Hof verspielt,… akustisch fehlen sie an keiner Stelle. Frontmann Mathias Kom schlägt frohgemut die Ukulele und singt mit tiefer Bassstimme von seiner harten Kindheit als er sich in den vorgelesenen Geschichten immer mit den Drachen, Hexen und Trollen identifizierte und nie auf der Seite der Guten war. Wenn Du den Todesstern schöner fandest als den Wald der knuddeligen Ewoks, dann warst Du sicher sehr einsam auf dem Grundschulhof. Im nächsten Song gibt er ganz genaue Anweisungen, wie er beerdigt werden möchte (nackt mit der Ukule im Arm). Es folgt eine Ballade über die eifersüchtige Zombiefrau, welche ihren unmutierten Ehemann in die ewigen Jagdgründe schickte, weil er fremdging (was hätte der arme Kerl denn sonst machen sollen?). Kranke Haustiere, das harte Leben auf Tour sind weitere Themen des exzellenten Songschreibers.

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Foto: Patrick Grossien

Dass literarisch hochwertige hinterfotzige Texte noch besser klingen, wenn sie von hervorragenden Musikern interpretiert werden, diese Regel bestätigt sich heute mal wieder. Zur klassischen Gittarre-Bass-Schlagzeug-Besetzung und der Ukulele des Bandleaders kommen noch eine Geigerin und eine Klarinettistin. Hier spielen fröhliche Menschen zusammen, die sich mögen. Keiner drängelt nach vorne, jeder bekommt sein Solo und das ganze macht allen im Laden einen Riesenspaß. Musikalisch haben wir es mit großstädtischem Indie-Folk zu tun, bei dem aber keiner auf seine Füße stiert, sondern alles swingt. Ein Song über die große Sinnkrise darf durchaus als Walzer verpackt werden und als nächstes kommt eine Piratenpolka. Mitten im Konzert hat der Gitarrist Geburtstag und bekommt natürlich eine Torte zum Ausblasen, und der ganze Laden singt ihm ein Ständchen. Mein großer Zeh hat am Ende des Abends eine Blase vom Mitwippen und eigentlich ist nur Eines falsch gelaufen: Nächstes Mal komme ich ungegessen und früher, denn die Schnitzel, die der Nachbartisch vor dem Konzert verputzt hat, sahen sehr gut aus und gerochen haben die, ich sag’s Euch! Fast hätte ich mir was einpacken lassen, Gottseidank gab’s wenigstens die Musik in Tonkonserven zum Mitnehmen zu Erstehen!

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Foto: Patrick Grossien

3 Gedanken zu „THE BURNING HELL, 08.06.2011, Nachbar, Stuttgart

  • 11. Juni 2011 um 15:10
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    yeah! schöner artikel!

  • 11. Juni 2011 um 20:48
    Permalink

    I hate red gels!

  • 11. Juni 2011 um 22:50
    Permalink

    Herr Baudisch, Sie haben die Wandgemälde gar nicht erwähnt :)

    Ausserdem: ich kann seit dem Scheiben Kauf die die playlist nicht mehr wegzappen…. Hoher Suchtfaktor.

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