FROGGYNIGHT, 03.03.2011, Renitenztheater, Stuttgart

Foto: Promo

Das Renitenztheater und Topas laden ein, zum komödiantisch, magischen Plausch! Stargast heute Abend: Ottfried Fischer! Die meisten Stuttgarter dürften Topas als international erfolgreichen Zauberkünstler kennen; wer nicht, sollte das dringend nachholen. Aber nein, heute verschwinden weder Autos noch Elefanten. Heute wird es zum brüllen komisch und sehr, sehr intim. Es geht um gefährliche Haustiere.

FroggyNight heißt das Projekt, das zunächst sechs Mal im Jahr geboten werden soll. Topas (geborener Fröschle) erklärt zu Beginn, wie er zu seinem Künstlernamen kam. Fröschle, das sei halt international „eh weng schwer“ vermittelbar. Daher wählte der junge Fröschle einst den toll klingenden Namen: Topas. Selbstironisch sagt er heute: „Topas, da hab ich mir nen Namen gewählt, so selten wie Akne auf einem Konzert von Tokio Hotel!“. Ein guter Schalk auf der Bühne, schont sich selber halt nicht. Den Schalk im Nacken werden auch seine Gäste noch spüren.

Das Format ist neu und kommt vor allem sehr abwechslungsreich daher. Das Konzept von Renitenz-Chef Sebastian Weingarten setzt dabei auf die Fähigkeit von Topas, sein Publikum abzuholen und Neuem zu zuführen. Unterstützt wird Topas von einem klassischen Talk-Show Sidekick, gegeben von Mathias Schwardt. Als auch von Kollegen die Topas, in seinen über 25 Jahren als Entertainer, kennen gelernt hat und die er nun dem Stuttgarter Publikum präsentieren möchte. Heute Abend am Start: Helge Thun (in Vertretung des erkrankten Philip Simon), Nagelritz der Seemann und Konrad Stöckel (alias Fat King Konrad). Im Zentrum der Show, ein komödiantisches Urgestein: Ottfried Fischer, als Talk-Gast und Zauberlehrling.

Zunächst vergnügt einen eine schöne Zauberparodie, bei der ganz unwahrscheinliche Vorhersagen gemacht werden: „Ich meine zu sehen, Guttenberg wird bald ein Buch veröffentlichen. Prinz August wird bei der Hochzeit der Windsors eine Natursekt-Bowle anrichten. Und wenn Reinhold Messner mal nicht mehr vom Berg runter kommt, dann hilft ihm Bruno Labadia – beim Abstieg.“

Danach macht Helge Thun als Gast den Anfang. Seine Wortakrobatik spielt mit Gedichten und Anagrammen. Mein Lieblingsanagramm von ihm: Karl-Theodor zu Guttenberg = GAUKLER BORGT, DOZENT RUHTE. Probieren Sie’s mal aus, es passt in jederlei Hinsicht! Er glänzt mit einem echt norddeutschen Humor: „Achte mal: Ravioli hört sich nun mal einfach besser an, als Maultäschle.“

Dann betritt Ottfried Fischer die Bühne. Wer den Bayern lieben gelernt hat, wird auch heute nicht enttäuscht. Im Gespräch mit Topas, entfaltet er immer wieder den für ihn typischen, anspruchsvollen Humor. Das Publikum braucht da oft einen Moment, bei Sätzen wie: „Die Globalisierung erzwingt vom Menschen Dinge, die ihm hunderte Jahre Evolution nicht schlimmer hätten antun können.“ Aber er beherrscht natürlich auch den Kalauer („Comedy, das ist doch die Blondine des Kabaretts.“) und vor allem die extrem sympathische Selbstironie: „Wer immer mehr Ecken und Kanten hat, wird irgendwann rund.“

Bevor es in die Pause geht, zieht TOPAS noch mal die Karten, musikalisch begleitet von Mathias Schwardt, und wie immer scheinbar aus der Luft. Es ist diese Perfektion der Trickkunst, die ihn als Zauberkünstler berühmt gemacht hat.

Nach der Pause wird das Leitthema “Gefährliche Haustiere“ vertieft. Eingangs wurde schon festgestellt: „Die eigentliche Gefahr bei Tierhaltern ist, eines Tages sehen sie aus wie ihr Viech.“ Mit wirklich schlimmen Haustieren werden sich nun Topas und Mathias beschäftigen: Cats that look like Hitler! Unglaubliche Katzenbilder werden gezeigt, entsprechend sarkastisch kommentiert. Der ansonsten subversiv, verweigernde Sidekick lässt sich nun exaltiert über Tiere, ihre Halter und die Musik aus. Die Rubrik “Was sagt die Musik dazu?“, wird wohl auch in Zukunft die Gelegenheit für den fanatischen Plattensammler Mathias sein, Topas Paroli zu bieten. Der nimmt’s mit einer Mimik hin, die Harald Schmidt humorlos dastehen ließe.

Der nächste Gast kommt ebenfalls aus dem Norden: Nagelritz, der Seemann. Er entspinnt absurdes Seemannsgarn mit Tiefgang, angesiedelt zwischen Melancholie und Groteske. Seine am Klavier vorgetragenen Seemannslieder würzt er dabei mit artistischen Flaschenmusik-Einlagen. Ein Original und Allround-Talent! Bei seinem Abgang witzelt Ottfried Fischer liebevoll: „Meine norddeutsche Tante kannte nur eine Liebe – Matrosen.“

Aber nun muss der Bayer bei einem Vorhersagetrick seine Zaubertalente beweisen. Was zunächst nicht zu gelingen scheint, stellt sich als Meisterleistung heraus. Natürlich hat die Zuschauerin die (orginal bayrische) Spielkarte mit Franz Josef Strauß gezogen und Fischer imitiert den bayrischen Übervater. Das erinnert an seine Anfänge im Kabarett und macht mich fast nostalgisch.

Zum Abschluss wird von Topas noch ein Verrückter auf die Bühne gelassen. Er warnt: „Jetzt kommt ein gefährliches Bühnentier!“ Das Publikum wird sicherheitshalber mit Plastikschutz versorgt. Es wird nichts nützen. Fat King Konrad ist Extrem-Künstler und Zauber-Freak. Er versprüht einen Gag-, Bier- und Konfettiregen. Wenn das Publikum hinterher hinkt, brüllt er es an: „Ich bin doch kein Bildschirmschoner!“ Und schließlich kommt eine dieser für ihn typisch krassen Nummern, er lässt sich von einer Zuschauerin einen Nagel ins Gesicht hämmern! Dazu King Konrad: „Ich bin neulich bei Priestern aufgetreten. Die haben mich nicht bezahlt. Die haben mir vergeben.“ Als er sich zuletzt noch einen Böller im Gesäß anzünden lässt (ja, ja, Sie lesen richtig), hat ein zündender Abend seinen würdigen Abschluss gefunden. Bei FroggyNight, muss man eben mit allem rechnen!

3 Gedanken zu „FROGGYNIGHT, 03.03.2011, Renitenztheater, Stuttgart

  • 7. März 2011 um 23:13
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    hallo unter kollegen und als clown, ich war da und muß sagen ein zauberer der sich clownesk versucht, sowas wie viel achtung sprech ich da aus. Und auch der Artikel hier: ei der daus, so ein schreiber macht was aus!

  • 9. März 2011 um 19:01
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    Früh übt sich der Lurch, wenn er mal ein Fröschle werden will. Er hat hier echt ein paar top Asse ausgespielt. Freut mich sehr hier einen Kommentar zu finden, die Süddeutsche und die FAZ hinken da noch hinterher, schade eigentlich. Die Klasse liegt jenseits von Spätzlekonektion.

  • 11. März 2011 um 14:12
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    und schon wieder eins verpasst. ver*****

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