BLACK REBEL MOTORCYCLE CLUB, 24.11.2010, LKA, Stuttgart

Black Rebel Motorcycle Club

Fotos: Steffen Schmid

Meine Güte, auch schon wieder drei Jahre her, als ich extra in die große Stadt (Hamburg) gefahren bin, um u.a. BRMC live zu sehen. Dass diese jetzt nach Stuttgart kommen, nimmt der Erinnerung etwas die glamouröse Exklusivität.
…Rummaulen, wenn nix kommt, und wenn was kommt, dann ist es auch nicht Recht, jaja.
Ernsthaft, gespannt bin ich wirklich darauf, ob sie es auch diesmal schaffen werden, ein solch monströs überzeugendes Konzert wie damals abzuliefern. Ihr aktuelles Album hat mich ja seltsamerweise etwas unbeteiligt gelassen, obwohl es eigentlich auch nicht viel schlechter klingt als die sehr tollen Vorgängeralben.

Das LKA ist gut gefüllt, und Punkt Neun geht es ohne Vorband gleich los. Und gleich die erste Parallele zum damaligen Konzert: man braucht etwas, um in den Konzertabend reinzufinden. Von wenigen Ausnahmen abgesehen, bevorzugt das Trio ein gemäßigtes Tempo. Man fragt sich ob das gut gehen kann, das ist doch zu lahm, wo bleibt der Kick?! Aber Geduld, spätestens ab dem dritten Song Red Eyes And Tears bekommt man eine Ahnung wie das hier funktioniert.
Das ist ein langsam anziehender Sog, ein Strudel aus meist verschleppten Beats und Wänden aus verbluesten Fuzzgitarren, der nach und nach seine unwiderstehliche Wirkung entfaltet.
Genial, wie sie am Ende des Songs das Tempo plötzlich halbieren, und damit dem Song noch mal einen unglaublichen Pusch geben.

Bad Blood und der Titelsong des neuesten Albums Beat The Devil’s Tattoo sind die nächsten Songs, die zeigen, dass die Rezeptur aus bluesigem, whiskey-getränktem Voodoo-Psychedelicrock bestens funktioniert. Die Songs sind simpel, man glaubt das schon zig mal gehört zu haben, und doch gibt es nicht viele Bands, die Rockmusik so lebendig, so gut klingen lassen.
Die Band kam ja Anfang der Nuller mit den ganzen anderen The-Bands hoch, dabei kommen sie aus einer ganz anderen musikalischen Ecke, als der schnelllebige Krempel die anderen Indie-Disco Tanzflächenfeger. The Brian Jonestown Massacre, The Raveonettes und The Dandy Warhols sind hier die klanglichen Verwandten.

Gitarrist Peter Hayes, von weitem inoffizielles Syd Barrett lookalike, spielt ab und an mal Mundharmonika, und wechselt sich beim Gesang mit Basser und Gelegenheitsorganist und -pianist Robert Levon Been ab.
Langeweile kommt so gut wie gar nie auf. Dafür sind die Songs zu gut, die Band weiß wie man Dynamik buchstabiert, und außerdem wechseln sich reine Akustiksongs wieder mit lautem Rock ab.

Ain’t No Easy Way Out ist ein fast schon fröhlicher Bluessong, während der fantastische Doppelschlag 666 Conducer und Rifles neue Weltrekorde an psychedelischem Gitarrenhall aufbietet.
Schnell geht auch, was Berlin und Weapon Of Choice bezeugen. Bei letzterem wird mal wieder klar wie unendlich geil Rockmusik doch sein kann. Haare im Gesicht, Gitarre baumelt in der Lendengegend, und die Textzeile besagt „I won’t waste my love on a nation“. Danke schön, volle Punktzahl, alles richtig gemacht. Falls ich mich jemals tätowieren lassen sollte, wird das diese Textzeile sein.
Nach einem solo am Piano vorgetragenem Stück von Mister Been, folgt der Hit Whatever Happened To My Rock’n Roll. Der erfreut sich bester Gesundheit möchte man antworten.

Und wieder ein Solopart, diesmal trägt besagter Been Dirty Old Town und das wunderbare Weight Of The World an der Gitarre vor.  Entzückend, bewegend!
Irgendwann lass ich das Mitschreiben der Songtitel bleiben, und lass mich einfach nur noch von der Musik tragen. Klappt wunderbar, bis das letzte Stück des Hauptsets einen wieder auf den Boden zurückholt. BRMC haben auch ihr eigenes Smoke On The Water, das gespielt werden muss. Spread Your Love heißt es, ist ein Riesenhit, und die Crowd surft dazu.

Wir kratzen mittlerweile an der Zwei Stunden Grenze und dennoch gibt es noch massig Zugaben. Zuerst gibt Herr Hayes mit tollem Fingerpicking auf der Akustikgitarre und schöner Mundharmonika einen Song zum Besten, dessen Titel mir partout nicht einfallen will. Complicated Situation hingegen fällt mir wieder ein.
Beim nachfolgenden Shuffle Your Feet wird er von Beene am Schellenkranz begleitet, während Schlagzeugerin Leah Shapiro rhythmisch mitklatscht. Sehr, sehr tolles Stück, sehr toll dargeboten.

Nach 135 Minuten wird man noch mit einem Lullaby Duett der beiden Jungs in die feuchtkalte Nacht entlassen. Sehr super war’s mal wieder, es war vielleicht nicht dieses Ausnahmekonzert wie in Hamburg, aber in Sachen Rockmusik eines der Highlights meines Konzertjahres.

Und da ja jetzt die Grippesaison bevorsteht, hier noch der aktuelle BRMC Gesundheitstipp: Spread Your Love Like A Fever!

Black Rebel Motorcycle Club

Fotos: Steffen Schmid

3 Gedanken zu „BLACK REBEL MOTORCYCLE CLUB, 24.11.2010, LKA, Stuttgart

  • 25. November 2010 um 23:20
    Permalink

    JA! Genauso wars.
    Auch zum genießen mit geschlossenen Augen wunderbar gewesen.

  • 26. November 2010 um 10:52
    Permalink

    Hmm, ich liesse mir ja „I’ll never get out of this world alive“ auftragen, wenn’s mich zupfen würde. Dies nur dazu…

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