GERHARD POLT & BIERMÖSL BLOSN, 20.07.2010, Eppinger Heimattage, Eppingen

Foto: Lino

Gibt’s selten: Sachen, auf die sich alle einigen können, und die trotzdem herausragend super sind. Gerhard Polt ist so ein Fall. Frisch ist noch die Erinnerung an Linos vorbildlich archivierte VHS-Mitschnitte der TV-Serie „Fast wia im richtigen Leben“ (produziert 1979 bis 1987 – Teile davon gibt’s auf YouTube), geschaut im vergangenen Winter. Und groß ist die Freude, als es tatsächlich noch klappt mit den Tickets für Gerhard Polt und die Biermösl Blosn in Eppingen.

Badische Off-Location, präsentiert von SWR 2 – das gefällt uns sehr. Polts Auftritt ist der abschließende Höhepunkt der Eppinger Heimattage und findet im Bierzelt vor gigantischem Fachwerk-Backdrop statt. Das Publikum im ausverkauften Haus (ca. 500 Zuschauer) ist gut gelaunt, die Vorfreude ist groß, das Zelt gut gelüftet, ein launiges Grußwort von OB Holaschke und los geht’s. Eppingen has style.

Auf der Bühne sind schon Harfe und Tuba aufgebaut und im Laufe des Abends kommen noch diverse Instrumente dazu, darunter Exotisches wie Drehleier und Dudelsack – klingt aber alles toll. Die Biermösl Blosn sind die Band, die häufig mit Polt zusammen auftritt, vor kurzem hat man mit Polt 30jähriges Bühnenjubiläum gefeiert. Das Trio kommt aus einer Gegend zwischen Augsburg und München namens Biermoos, „Blosn“ steht für Blase, also Gruppe. Hansi, Michal und Stopherl sind außerdem Brüder und sehr musikalisch. Der Star des Abends ist allerdings Polt, der wird auch mehrfach herzlich umarmt, die Stimmung auf der Bühne ist entspannt, man versteht sich gut und liebt sich offensichtlich sehr. Polt wird am Abend noch mehrfach sehr laut singen, ernstzunehmende Instrumente spielt er allerdings keine.

Polt, ein Baum von einem Mann, sieht gut aus und ist in Top-Form. Er trägt einen abgewetzten, schlecht sitzenden  Trachtenjanker, später einen Frack, weitere Accessoires gibt’s nicht, braucht’s aber auch nicht. Zum Einstieg geben die Biermösl Blosn ein recht langes Lied zum Besten, das eine Reihe von großartig zündenen Insider-Gags beinhaltet, offenbar zum Teil speziell für Eppingen gedichtet, der Rest bezieht sich auf die ausgedachte bayrische Gemeinde Hausen. Sehr lustig. Brillant Polts erster humoristischer Part, in dem er einen Spitzensportler verkörpert, der sich bald als „Alkohol-Sportler“ herausstellt. Großartig wie er später mit leicht überschnappender Frauenstimme vom  „Benefiz-Lobster-Festival“ auf den Virgin Islands berichtet. Polt wirkt hochkonzentriert, jede Pointe sitzt, das Timing ist perfekt. Die musikalischen Interludes der Biermösl Blosn ergänzen das Programm kongenial, es reiht sich  Highlight an Highlight. Kurz vor der Pause darf dann auch Polt ein Instrument spielen, Rainmaker heißt es, alles was zu tun ist, ist es im richtigen Moment umzudrehen, dann ergibt sich ein Geräusch wie Nieselregen. Die anschließende Pause haben sich die Künstler redlich verdient.

Im zweiten Teil kündigt Polt als Klassik-Radio-Moderator (jetzt im Frack) in mehreren Sprachen seine Biermösl Blosn an, mit denen er dann gemeinsam singt. Sehr gut jodeln kann er auch, logisch. Unser Favorit ist seine Benedetto-Parodie, da näselt er in stark bayrisch eingefärbtem italienischem Sing-Sang von „kwesti dolci bambini“. Das lässt sich alles schlecht nacherzählen, das Live-Erlebnis ist  nicht zu ersetzen, Polts Präsenz ist phänomenal. Im zweiten Teil wirkt die Performance fast noch tighter als am Anfang. Zum Schluss werden noch drei Alphörner aufgefahren („bayrische Vuvuzelas“). Gerhard Polt ist der Beste, der Saal tobt. Unfassbar, auf was für ein umfangreiches Repertoire Polt und die Biermösl Blosn zurückgreifen können. Als Zugabe gibt’s „Erasmus Zöpfels Reise nach Stockholm“ und dann ist nach zweieinhalb Stunden Polt und Biermösl Blosn Schluss.

Wir kaufen noch ordentlich Merch und gehen verzaubert und glücklich nach Hause. Tipp: Regelmäßig Polts Webseite auf Live-Termine checken, es lohnt sich!

Ausschnitte des Auftritts sind am 18. September ab 23.03 Uhr auf SWR2 zu hören.

4 Gedanken zu „GERHARD POLT & BIERMÖSL BLOSN, 20.07.2010, Eppinger Heimattage, Eppingen

  • 22. Juli 2010 um 00:31
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    Ich habe den Polt schon 2x solo gesehen, und war eigentlich immer froh, dass mir die Kapelle erspart geblieben ist. Wenn ich das jetzt lese – scheint doch ganz gut zu sein die Musik. Aber ich nehme an, dass die Parts von Polt schon noch besser waren.
    Ich war auch immer angenehm überrascht, wie gut er trotz hohem Alters ist und glaube nicht, dass ich egal wo, jemals mehr lachen mußte als bei King Polt.
    Schöner Bericht, Eure Einkäufe würde ich gerne mal sehen.

  • 23. Juli 2010 um 19:05
    Permalink

    Er ist anbetungswürdig! Wegen ihm hab ich mit 19 angefangen, Schwedisch zu lernen, weil ich im TV sah, dass er das auch kann und oft hinfährt. Und in der Schulzeit (mit manchen Leuten bis heute) wurden viele seiner Sprüche zu geflügelten Worten und Insiderwitzen, um sich von anderen „Jugendgruppen“ abzugrenzen. Damals im Theaterhaus waren wir dann auch mit Abstand die jüngsten, wie war das bei euch? Ich bin auch froh, dass du schreibst dass er gut aussah Cathrin, ich wurde nämlich mal schrecklich dafür ausgelacht, dass ich ihn attraktiv finde…

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