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SCHALLBLADD, MA CHERIE FOR PAINTING, ROCKET FREUDENTAL, 08.05.2010, Wagenhallen, Stuttgart

von Lino · 9. Mai 2010

schallbladd dsc09500 SCHALLBLADD, MA CHERIE FOR PAINTING, ROCKET FREUDENTAL, 08.05.2010, Wagenhallen, Stuttgart

Fotos: Steffen Schmid

Hmm, schon eine deprimierende Vorstellung, denkt man sich auf einen Schlag die Röhre, den Landespavillon, das Rocker 33, die Waggons und die Wagenhallen weg. Ein ganz schöner Schlag für die alternative Kultur in Stuttgart wäre das. Die MacherInnnen von Unsere Stadt wollen das  als unausweichlichen Fakt, und der Einstellung, dass man doch eh nichts machen könne, nicht einfach hinnehmen. Teil, der von der Intro unterstützten Aktionswoche, ist auch der heutige Abend in den Wagenhallen mit Konzerten sowohl im kleinen als auch im großen Raum.

schallbladd dsc09531 SCHALLBLADD, MA CHERIE FOR PAINTING, ROCKET FREUDENTAL, 08.05.2010, Wagenhallen, Stuttgart

Fotos: Steffen Schmid

Unser Abend beginnt mit Schallbladd – Sagen aus Schwaben, einem Sammelsurium verschiedenster Musiker, meist bekannte Gesichter hier aus der Gegend, die in jeweils anderer Formation mal unter D’Sausseles, Dia Dirre, Leberlegfressa, D’Stauffere,  Pfaatz, Tyler Khan, D’Soichbixa, D’Schrättele oder D’Àmerikaaner skurille schwäbische Sagen zum Besten geben. Das kann mal poppig sein, dann wiederum Schülerpunkrockmäßig, dann leicht anpsychedelisiert nach den Doors klingend oder auch ein ordentlicher Funk sein. Mir gefällt’s am besten, wenn es sich vom normalen Rock am weitesten entfernt, dann kommt die Wolle Kriwanek Assoziation nicht so hoch bei mir.
Musikalisch ist das natürlich top. Eine Schar Kinder horcht gespannt den Liedern und den Ansagen am Bühnenrand zu, und ist bestimmt auch fasziniert von den seltsamen Hutbedeckungen, welche die Frauen und Männer auf der Bühne tragen. Mein Favorit ist Moritz, der irgendwie nach Obst aussieht.
In meinen Ohren wird, trotz Geburt an Neckar und Enz, schwäbisch zwar niemals die sexieste Sprache zum Singen werden, aber in der dargereichten Form lass ich mir Titel wie Mei Weckle, Guggediguu, D’Schratt und A Briefla gerne gefallen. Chapeau, oder besser Chapeaule!

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Fotos: Steffen Schmid

Kurz ein Blick in den Nebenraum geworfen, wo Hoch/Tief straighten, harten Rock bieten. Das Trio aus Stuttgart hat ganz schön Dampf unterm Kessel, wie man so schön sagt, und liefert eine energiegeladene Show ab, mit pumpendem Bass und so was. Das gefällt, aber dem hungernden Leib gefällt auch eine Rote Wurst, und dazu müssen wir wieder nach draußen.

ma cherie for painting dsc09750 SCHALLBLADD, MA CHERIE FOR PAINTING, ROCKET FREUDENTAL, 08.05.2010, Wagenhallen, Stuttgart

Fotos: Steffen Schmid

Wenn ich’s richtig verstanden habe, reunieren sich Ma Cherie For Painting nur für diesen Anlass heute abend. Chefcheckerin Steffi R. weiß noch, dass es sich um eine legendäre Band Anfang der 90er handelt, mit Joachim Henn an der Gitarre, einem ehemaligen Intro-Journalisten und Mitorganisator von Unsere Stadt. Das Quartett bietet instrumentalen Krautrock, der manchmal nach Seefeel klingt, dann vielleicht wieder eher nach Cluster. Eher meditativ-repetierend, aber nicht langweilig. Gute Sache diese Reunion, dürfen auch gerne zusammen bleiben die Jungs.

rocket freudental dsc09864 SCHALLBLADD, MA CHERIE FOR PAINTING, ROCKET FREUDENTAL, 08.05.2010, Wagenhallen, Stuttgart

Fotos: Steffen Schmid

Peinlich genug, dass ich als Besigheimer erst jetzt Rocket Freudental zum ersten Mal live sehe. Das Duo aus dem extrem fertilen Besigheimer Millieu, hat ja eh schon einen Orden verdient für einen der besten Bandnamen überhaupt. Jetzt verleihe ich ihnen in Gedanken noch einen zusätzlich für den Auftritt heute Abend. In dem mittlerweile gut gefüllten großen Raum der Wagenhalle bieten Rocket Freudental geilen Slogan-Rock, der in seinen unelektronischen Momenten vielleicht ein wenig an Surrogat erinnert, in seinen elektronischeren an…ja an was…ok, an mir-egal-nach-was-es-klingt-aber-es-rockt. Der Großteil der Musik kommt aus der Dose, Gesang und perkussive Schlagzeugbegleitung sind live. Andre M. ist ein wahres Bühnenmonster, das Grimassen zieht, spuckt, seine Texte lebt und gerne auch mal Handstände und Überschläge zum Besten gibt. Robert S. hingegen ist komplett in seinem Rhythmusspiel versunken und klöppelt auf seine Koffer ein. Klingt irgendwie gefährlich die Band, gefährlich gut. Kleidergrößen-Kumpan Christof R. (XS) glaubt gar, dass ihre Musik exakt den Zeitgeist träfe…und zwar genau zwischen den Augen füge ich noch an. Kann man so glauben, und man darf es ihnen auf jeden Fall wünschen!

Unser Abend endet hier, wohlwissend, dass wir Freund Putte samt Edgar verpassen, aber die Beiden haben wir schon hier und hier gefeatured, und sind uns sicher, dass sie auch heute wieder geravet haben wie es sich gehört.

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Fotos: Steffen Schmid & bertramprimus

Die Aktionswoche geht weiter, u.a. mit Stereo Total am Freitag und Monsieur Mo Rio am Sonntag im Rocker 33. Man sieht sich!

Und wer noch mehr Fotos sehen möchte: Schallbladd, Ma Cherie For Painting, Hoch Tief, Rocket Freudental und ein paar Impressionen des Abends.

Tags: Elektro · Independent · Konzerte · Pop · Psychedelic

4 Kommentare bis jetzt ↓

  • 1 bertramprimus // Mai 9, 2010 at 14:09

    Wir verbrachten mit den Kindern einen wunderschönen Nachmittag auf dem Gelände der Wagenhallen und konnte den ersten Act des Abends mitnehmen:

    Nille Promille [http://www.nillepromille.de] spielten ein Stromgitarren-Ambient-Set, sitzende auf einem mit goldenen Rettungsdecken überzogenen Sofa , vor sich eine Batterie an Verzerrern… sitting shoe gaze. Schön satter Sound.

    Zu Schallbladd ist noch hinzuzufügen, dass die Protagonisten in großen Teilen im Stuttgarter Kunstkontext unterwegs sind.

  • 2 Cathrin // Mai 9, 2010 at 18:03

    Unfassbar tolle Fotos und super Bericht!! Bin mal wieder voll begeistert!! Wow.

  • 3 Micha // Mai 11, 2010 at 11:00

    @ bertramprimus:

    grober Fehler. Das waren nicht Nille Promille, die da auf den Rettungsdecken spielten, sondern NAVEL.

    Ich muss das hier kurz berichtigen, weil ich NAVEL für einer der besten Stuttgarter Dinge halte, und die hier unbedingt erwähnt werden müssen.

  • 4 bertramprimus // Mai 11, 2010 at 11:07

    @ Micha:

    Oha, gut, dass Dir das aufgefallen ist.

    Laut Ankündigung sollten Nille Promille ab 18.15 Uhr spielen, und um halb sieben saßen eben die beiden Jungs (offensichtlich von Navel) auf dem Sofa, da dachte ich…

    Navel und Nille Promille: sorry!

    Hier Navels Myspacelink:
    http://www.myspace.com/navelfromouterspace

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