THE BISHOPS, 08.10.2009, Keller Klub, Stuttgart

The Bishops

Ziemlich uncool (heute morgen im Zug aufgegabelt): „Hasch des heut morgen au im Neckar- und Enzboten gläsa? Da war ’n großer Artikel, da hat oiner tatsächlich sei Vordach zu groß ‚baut und muss’s jetzt wieder zurückbaue‘.“

Ziemlich cool (heute abend im Keller Klub): Konzert mit britischem Trio samt Zwillingsbrüdern, das um 23.30 Uhr mitten unter der Woche beginnt.

Für meinen Spießerlebensentwurf fast schon ’ne Spur zu cool, hätte gern etwas früher beginnen dürfen. So sind wir leider schon nach einer halben Stunde gegangen, da ich sonst diesen opulenten Konzertmonat Oktober, an dessen Ende schon freudig der Tinnitus winkt, nicht überleben werde.
Schade, denn The Bishops, nicht zu verwechseln mit The Bishop, können echt was. Richtig gute Popsongs, irgendwie ein bisschen 60ies und nach allem anderem Gitarrenpopzeug von der Insel klingend, die toll gespielt und von schönen zweistimmigen Gesangsharmonien geprägt sind. Macht echt Spaß zuzuhören, auch wenn der Sänger und Gitarrist, obwohl er ein David-Grohl-Lookalike ist, wirklich sehr unbeholfen in seinen Rockposen ist. Umso seltsamer dieser Umstand, da sein Zwillingsbruder sich eigentlich ganz lässig auf der Bühne verhält wie sich’s gehört. Der Schlagzeuger fällt ein wenig in die Tunics-Liga…sieht aus als hätte er sich stylingmäßig in der falschen Szene verirrt.
Bei dem Weg dürfte auch mal die Frage erlaubt sein, wie viele Bands pro Kopf es eigentlich in Great Britain gibt. Gefühlt dürfte es mehr Popgruppen als Einwohner haben.
Das handverlesene Publikum (crowdsurfen eher problematisch heute abend), welches in seiner Gesamtheit irgendwie mit der Band befreundet zu sein scheint, tanzt ausgelassen weiter, während wir nach Hause zum Bloggen schleichen…

10 Gedanken zu „THE BISHOPS, 08.10.2009, Keller Klub, Stuttgart

  • 9. Oktober 2009 um 11:31
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    Ich teile Deine Ansicht mit dem 23.30 Uhr. Klingt nach freundlicher Musik…

  • 9. Oktober 2009 um 16:13
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    Sehr erhabener Blog, das mal vorweg. Und dass 23.30 Uhr eine asoziale Anfangszeit ist: no doubt. Leicht uncool allenfalls 1.) ein Konzert zu besprechen, von dem man nur 30 Minuten miterlebt hat und 2.) in einem Text von handgestoppt 1721 Zeichen Länge genau 271 Zeichen – „Schade, denn The Bishops, (…) können echt was. Richtig gute Popsongs, irgendwie ein bisschen 60ies und nach allem anderem Gitarrenpopzeug von der Insel klingend, die toll gespielt und von schönen zweistimmigen Gesangsharmonien geprägt sind. Macht echt Spaß zuzuhören“ auf die Beschreibung/Rezension der Musik zu verwenden.

    Soll aber bitte natürlich nicht bös oder oberlehrerhaft klingen (@Anja: das Thema hat uns ja schon häufiger beschäftigt;-), denn dieser Blog ist ne feine Sache und denn wir lieben Musik. Grüßle Jan

  • 9. Oktober 2009 um 21:43
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    Hey Jan,

    erklär doch mal bitte, warum es uncool ist von handgestoppt 1721 Zeichen Länge genau 271 Zeichen – “Schade, denn The Bishops, (…) können echt was. Richtig gute Popsongs, irgendwie ein bisschen 60ies und nach allem anderem Gitarrenpopzeug von der Insel klingend, die toll gespielt und von schönen zweistimmigen Gesangsharmonien geprägt sind. Macht echt Spaß zuzuhören” auf die Rezension der Musik zu verwenden und warum es nicht legitim ist, ein Konzert zu beschreiben, dass man nur 30 Minuten miterlebt hat, zumal man ja das ganze positiv erlebt hat und bewertet. Ist das so ein Musikjournalistending – bleibe bis zum Schluss oder schreibe nicht darüber ?? Und hast du wirklich alle Buchstaben gezählt???
    Soll jetzt aber bitte natürlich nicht bös oder oberlehrerhaft gemeint sein – meine Frage – denn ich liebe Musik und bilde mich da immer gerne weiter.

  • 9. Oktober 2009 um 21:50
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    Easy, ich hab den Abend eben so erzählt wie es mir in den Sinn kam und ich ihn für mich erlebt habe. Hab bestimmt nicht den Anspruch ein Konzert zu 100 % detailgetreu nachzuerzählen. Kann ich auch gar nicht. Mal schreibe ich eben mehr über die Band und die Musik, mal weniger (findest Du über in vielen unserer Artikeln so, und ich find das spannender) . Hab bisher noch keine Prozentangaben „von oben“ bekommen wieviel Text sich denn mit der Band/Künstler befassen muss, damit es ein korrekter Konzertbericht ist. Und wenn ich abschweif, dann schweif ich eben ab.
    Darf man ja auch gerne nicht so toll finden, kein Problem. Deswegen heisst das ja „Kommentar“ und nicht „positiver Kommentar“:-)

  • 9. Oktober 2009 um 22:16
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    @Jan DANKE! Für das Lob für unseren Blog aus professioneller Sicht!!!
    @ alle Bloggen ist Bloggen. Journalismus ist was anderes.

  • 10. Oktober 2009 um 00:38
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    Herrlich und danke an alle! Sehr schön: Es gibt noch Menschen, die sich reflektierend mit Qualitätsmusik auseinandersetzen wollen! Jede(r) hat auf seine Weise selbstverständlich Recht,und wie hübsch doch solche Echos zu hören sind. Macht bitte haargenau weiter so.
    @ Walter: natürlich nicht handgestoppt, sondern mit der Word-Buchstabenzählfunktion nachgerechnet. ob’s ein Journalistending ist, stets bis zum Ende zu bleiben…je nun: besser ist das. Habe schon Konzertkritiken gelesen, bei denen der Rezensent nach ’ner Stunde abgewndert ist und hinterher über die friedfertige Stimmung schrieb, während (nach seinem Abwandern) die Polente noch mit drei Mannschaftswagen anrückte und zwanzig Besucher vorläufig festgenommmen hat.

    @Lino: nix für ungut, selbstredend. Wenn man uns jemals das Abschweifen verbieten sollte,
    lassen wir alle die Feder fallen, gehen in Rente und sehen uns dann bei der Riesenschachanlage im Schlossgarten;-)

    @Anja: professionell? Danke gleichfalls! Blog vs. Journalismus? so isses!

    @ Steffen: Lob für die sehr geilen Fotos (Peaches gibt dem Publikum eine Handreichung) ganz vergessen. Hiermit nachgeholt!

  • 10. Oktober 2009 um 01:02
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    Ich war am 13.11.2007 bei den Bishops im Keller Klub und es war großartig. Dieses mal bin ich nicht hin, da mir das neue Zeug nicht zusagt. Irgendwie hat sich da eine Ladung Weichspüler eingeschlichen. Mit Mike hatte ich mich nach dem Konzert ein bißchen unterhalten und er war sehr nett. Auf meine Frage, warum sie mit ihrem Sound nicht die Sixties-Szene aufmischen und auf Festivals des Genres spielen, erklärte er mir, dass sie sich eher als Indieband sehen. Das empfand ich als etwas merkwürdig, da sie sich ja 1:1 aus dieser Gattung Musik bedienen, ließ mir aber dennoch eine Single unterschreiben. Drummer Chris mochte es nicht, mit „Owen Wilson“ angesprochen zu werden.

  • 10. Oktober 2009 um 09:42
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    @Jan: hab ja unter anderem es deswegen auch explizit reingeschrieben, dass ich nur ’ne halbe Stunde da war. Hätte ich ja auch verschweigen können:-)
    @Jonas: klick mal auf meinen Tunics-Verweis im Text. Genau das hab ich auch gedacht!

  • 10. Oktober 2009 um 09:51
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    Blog vs. Journalismus? Das schließt sich nicht aus, sondern sollte eine Ergänzung sein. Umso mehr über Kultur berichtet wird umso besser. Vor allem, wenn so tolle Diskussionen wie an dieser Stelle entstehen. Hihi.
    Schönster Beitrag = Jonas. Woher weißt DU das genaue Datum im Jahr 2007 noch? Und darf ich dich mit David Schwimmer ansprechen? ;)

  • 10. Oktober 2009 um 12:06
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    @Anja: Warum traust DU mir nicht zu, ein Datum zu behalten? … ok, ich hab es gesuchmaschint. Wer mir den Preis für den schönsten Beitrag verleiht, darf mich auch David nennen.
    @Lino: All die Look-A-Likes sollten gemeinsam eine Tribut-Band gründen und Owens Film-Dialoge vertonen. Jan muss sich das ganze Konzert bis zum Schluss anhören, aber darf sie danach amtlichen zerreißen ;-)

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