SOPHIA, 25.09.2009, Jubez, Karlsruhe

Sophia

Fotos: Steffen Schmid

Es könnte so einfach sein. Man müsste eine sehr ernst gemeinte Konzertkritik schreiben, in der Worte wie Tiefe und Traurigkeit. Leben und Tod, Melancholie und Pathos vorkommen. Und schon hätte man die Eckpunkte von Sophia umrissen. Und doch würde man dem Deutschland-Tourauftaktabend „in the heart of Karlsruh“ (Proper-Sheppard) nicht gerecht werden.
Denn dieser Robin Proper-Sheppard, der todtraurige Tropf von Sophia, von dem man meinen könnte, dass er zum Lachen in den Keller geht, der weiß, dass die Welt nicht nur schwarz ist. Während er mit „There Are No Goodbyes“ die vielleicht traurigste Platte des Jahres aufgenommen hat, kann Proper-Sheppard sehr unterhaltsam und, ja, witzig sein.

Doch zu allererst gibt es im Jubez, in „the heart of Karlsruh“, in dem es zu unser Erstaunen neben Gina’s Bar, Kai’s Pizza auch ein Hooters gibt, die Vorgruppe Dark Captain Light Captain. Von Dark Captain Light Captain (via Lino, via Arnd Zeigler – ach, schöne neue Welt 2.0) hatte man schon gehört. Der Herr am Merchandise-Stand freut sich darüber. Und ja: Der mehrstimmige Gesang, der Kammerchorpop mit Blasinstrumenten und Chuzpe kann was. Kann so viel, dass man sich so gleich die wunderbare CD kauft. Die Band freut sich. Auch darüber, dass Fotos an dieser Stelle online stehen werden.

„Next week?“ fragt der Sänger. „Tomorrow. It’s the internet.“ „Oh, I still live in the Eighties.“

Sophia wiederum leben in einer Zeitschleife. Zeitlos ist ihre Musik. Die Musik von Robin Proper-Sheppard. Der hat sich übrigens auf Anraten seiner Tochter die Haare wachsen lassen, was ihn ein bisschen wie Mark Keller aussehen lässt. Nun ja. Die meisten – vor allem die Band und das Streichquartett – haben sowieso die Augen geschlossen, wenn die zarten, selbstzerstörerischen Lieder erklingen, wenn Proper-Sheppard mit seiner sanften Stimme von Herzschmerz-Momenten singt. Sophia-Spezialistin Steffi Rhein, die mit feschen Herren ebenfalls aus Stuttgart angereist ist, ist sehr angetan. Vor allem auch davon, dass in den sehr ruhigen Momenten kein Mensch quatscht. Da kann man Bierflaschen umfallen hören. Proper-Sheppard macht alles anders. Er beginnt pünktlich, meint, dass es viel Altes und viel Neues zu hören gibt, weil er mit dem Quatsch nichts anfangen könne, nur das aktuelle Album zu spielen und freut sich über Song-Zurufe. „Ob ich sie dann aber spiele, ist eine andere Sache“, so Proper-Sheppard. Das Duett „Something“, das er eigentlich mit seiner „Ex-love of his life“ Astrid Williamson singt, präsentiert er eben alleine. Und mit den Streichern, die dem Ganzen noch mehr eleganten Pathos verleihen. Fehlen nur noch die Worte Tiefe, Traurigkeit, Melancholie, Leben und Tod.

Dark Captain Light Captain

Fotos: Steffen Schmid

Natürlich gibt es noch mehr Fotos von Dark Captain Light Captain und Sophia.

7 Gedanken zu „SOPHIA, 25.09.2009, Jubez, Karlsruhe

  • 26. September 2009 um 18:26
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    the perfect review!
    eine nötige Zusatzanmerkung zu Web 2.0: Arnd Zeigler ist mir natürlich erst durch Cathrin bekannt gemacht worden:-)

  • 26. September 2009 um 18:34
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    oh, danke!
    Und: Die Cathrin hat das Web 2.0 erfunden quasi;)

  • 26. September 2009 um 19:19
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    Übrigens, das Falt-Cover zur DCLC-Cd ist schlichtweg fantastisch! Für mich das bis jetzt beste Cover des Jahres.

    Unbedingt kaufen und anglotzen.

  • 27. September 2009 um 11:10
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    Von Faltcover zu Web 3.0 – das geht mir alles zu schnell. Herrje!

  • 1. Oktober 2009 um 13:39
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    Mit „feschen Herren“, das klingt aufregend und lässt mich total geheimnisvoll erscheinen. toll :)

  • 2. Oktober 2009 um 08:11
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    @Steffi: Das ist eben die Wahrheit!

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