SOULFLY, 01.07.2009, Rockfabrik, Ludwigsburg

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Fotos: Toxic

Als Wahl-Ludwigsburger gehe ich gelegentlich zu Rofa-Konzerten.
Für manche dieser Bands würde ich weitere Anfahrtswege (z.B. nach Stuttgart) ablehnen. In die Rofa kann ich laufen und ausserdem gehört der locale Club, und wenn er meistens noch so schlecht ist, unterstützt. Wobei man erwähnen muss, dass die Rofa-Macher auch schon echtes Gespür bewiesen haben und in den 90ern (immer diese 90er) Bands wie Kyuss oder Placebo eingekauft haben.
Zu Soulfly sollte ich erwähnen, dass mir nur der Style bekannt ist, keine Lieder oder gar Alben. Seit der Soulfly-Kopf Max Cavalera bei Sepultura ausgestiegen ist (lange her), habe ich das Interesse auch bez. Letzterer verloren. Vorbei komme ich aber an den Cavalera-Brüdern in letzter Zeit nicht, der Eine (Igor) macht Electro/Dance im Rocker33 als Soulwax– / 2ManyDJs-Support, der Andere spielt in der Rofa, und da muss ich ja hin.
Gemeinsam waren sie weit erfolgreicher, haben auf Augenhöhe mit Slayer oder Metallica agiert und spielten bei Rock in Rio.
Die brasilianische Herkunft hat bei mir dann noch aus familiären Gründen den Ausschlag gegeben, und Sepultura waren in den neun-nuller-Jahren meine absolute Lieblings Metal-Band.

Meine Schwester verspätet sich und mir bleibt bei einem Becher Devil-Juice auf dem Rofa-Parkplatz Zeit für Szene-Studien.
Es sind ganz ordentlich Metaller aufgelaufen, von denen ich zunächst denke, dass sie mehr so die Alternativ-Metaller sind, nicht die ganz ganz Schlimmen…ich sehe einige Typen in Soulfly-Tees, die schon vorab den neuesten Merch einkaufen um diesen im mit Stickern gepimpten Wagen zu bunkern. Peinlich sowas, habe ich aber auch schon gemacht, nur nicht so auffällig. Man sieht viele kalkweisse Ärmchen und Beinchen unter schwarzen Klamotten, Band-Tees, schwarze Jeans und schwarze Adidas sind immer noch Trumpf. Ein Look, der uns ALLE überleben wird. Ich fange an zu bezweifeln, ob ich mit meinem Nicht-Band-Tee überhaupt reingelassen werde. Gültiges Ticket ist vorhanden, „aber so nicht“…zwei Herren vom „Empfang“ geleiten mich zum Merch-Stand und warten, bis ich ein Soulfly-Produkt erworben und übergestreift habe. So ist brav…
Das mit dem Alternativ-Publikum war zu früh gefreut, denn auch IHN konnte ich entdecken: Den Typ im Schottenrock. Verdammt! Was könnte einer Szene mehr schaden als Männer in Schottenröcken? Ich weiß es nicht, verdammt schwierige Frage.

Support lassen wir ausfallen, Soulfly betreten nach einem komischen Intro die Bühne. Es ist schnell klar, wer der Cheffe ist. Cavalera steht mit Bundeswehr-Klamotten (Deutschlandflagge am Ärmel) und Gibson im Brazil-Stlye im Mittelpunkt. Außerdem ziert noch die gelb-grün-blaue Flagge die Amps. Auf die Herkunft wird viel Wert gelegt, die Lieder werden auch auf portugiesisch eingezählt.
Noch kurz zu Cavalera: Er sieht ziemlich kaputt aus, zotteliger Vollbart, eine Rastafari-Frisur die auch irgendwie komisch wirkt, extrem dicke Dreads aber nur 2, 3 Stück, es hat was von Bad Brains. Ausserdem erkenne ich Anzeichen des von Lino geprägten „Mezzo-Mix-Fett“ unter den XXL-Band-Shirts, die er nach ca. 2 Songs stets wechselt. Ohne Scheiß, voll diva-mässig, Madonna hat mit Sicherheit keine häufigeren Outfit-Wechsel bei ihren Shows. Erst kenne ich die Shirts noch, die er sich hinter der Bühne überstreift (Posessed, Dead Kennedys), dann aber trägt er Sachen, die aussehen, als wären sie zusammengenäht, vielleicht ist er „herausgewachsen“.

Bereits beim ersten Lied hängen die Fans dem Meister an den Lippen, irgendwas mit „Blood Fire War Hate“ skandiert er von der Bühne, catchy Slogans die fleissig mitgegröhlt werden. Da ich davon ausgehe, nicht einen Song zu kennen bin ich dann doch verwundert, als mir eines der späteren Intros sehr bekannt vorkommt. Was ist das, das ist fett, das hatte ich doch schon auf Kassette? Nach kurzer Zeit ist jedoch Schluss mit dem Wiedererkennungswert, aber mir fällt es zum Glück dann doch ein, sowas kann einen ja wahnsinnig machen. Soulfly haben sich bei den John Peel Lieblingen Carcass bedient, das Lied hört auf den schmissigen Namen „Corporal jigsore quandry“ und hat mir als Teenager schon gefallen. Schön, fast alles richtig gemacht. Dieses Sampling scheint Programm zu sein. Auch bei Slayers „Raining blood“ bedient man sich. Gerade diese Parts, die mir ein „Yaay“ und Arme Hochreissen entlocken, kommen bei den Fans komischerweise nicht so gut an, habe ich das Gefühl. Puristen. Schön auch, das bereits mit Sepultura gecoverte „Symptom of the universe“ von Sabbath und Sepultura Hits wie „Roots“.

Wie mir meine Schwester bereits vorher ankündigte, gibt es zwischendurch noch eine Trommel-Nummer, die zu jeder Show gehört. Jedes Bandmitglied wird mit einer Trommel ausgestatttet (bis auf den Drummer, denk mal logisch, Digger), Cavalera sucht sich einen Die-Hard-Fan aus der 1. Reihe aus und der darf dann mittrommeln. Bei Soulfly ist der Fan noch König. Insbesondere die 1. Reihe wird mit Devotionalien eingedeckt, bereits vor der Show wechseln Drumsticks den Besitzer. Was auch auffällt, Cavalera spendet großzügig Wasser, jedoch anstatt die Flaschen einfach ins Publikum zu werfen oder zu entleeren, führt er eine Art Weihung durch, kleine Spritzer halbkreisförmig ins Publikum. Ein Ritual, das ich noch nicht verstehen kann.
Insgesamt hat sich der Fußmarsch in die Rofa gelohnt, noch schöner wär’s gewesen, hätte es nicht noch eine unschöne Situation mit einem Fan-Trottel gegeben. Der Typ tanzt extrem nervig und lässt die Haare fliegen, ich muss die Nervensäge auch einige Male wegschieben. So macht’s auch die Schwester. Plötzlich geht der Typ auf sie los, ich gehe dazwischen und bekomme ein „Halt Dich da raus, das ist was zwischen mir und ihr“ zu hören. Tja, dumm gelaufen DU STYLEKRÜPPEL!
Ist das aus der Metal-Szene geworden? Erwachsene „Männer“ gehen auf halb so große Frauen los, und sehen dabei (natürlich) extrem peinlich aus?
Wäre der Zeremonienmeister nicht mit der Show beschäftigt gewesen, er hätte den Kasper mit Sicherheit abgestraft. Hätte er noch gewusst, dass da unten seine Landsleute bedrängt würden, er hätte seinen Körper als Waffe eingesetzt, ich bin mir sicher.
Obrigado Max!

p.s. Wir haben extra noch ein paar Fotos von Soulwax, 2ManyDJs und MixHell aus dem Archiv gekramt. Könnt ihr hier anschauen.

3 Gedanken zu „SOULFLY, 01.07.2009, Rockfabrik, Ludwigsburg

  • 3. Juli 2009 um 19:03
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    Toxic = Geschichtenerzähler vor dem Herrn. Bei deinem Blut hättest Du doch auf der Bühne stehen und den Samba-Core trommeln sollen.

  • 3. Juli 2009 um 19:28
    Permalink

    Lino! Mach bloß das Lama hinter „John Peel“ weg, das ist Blasphemie! Ich glaube ich muss künftig doch selbst verlinken.

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